Etienne Salborn, Gründer von Jangu e.V. und der Social Innovation Academy (SINA), wurde zum zweiten Mal in Folge in die Leaders50 von Thinkers50 aufgenommen. Die internationale Liste würdigt 50 inspirierende Führungspersönlichkeiten aus Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen. Für uns ist das auch ein Anlass, zurückzublicken: auf eine Geschichte, die 2006 in einem Kinderheim in Uganda begann.
Während seines Freiwilligendienstes im Kankobe Children’s Home lernte Etienne junge Menschen kennen, deren weitere Schulbildung keineswegs gesichert war. Aus diesen Begegnungen startete Etienne 2007 ein Patenschaftsprogramm. 2009 wurde Jangu e.V. gegründet, um die Unterstützung gemeinsam mit Menschen in Deutschland langfristig zu tragen.
Viele unserer Mitglieder, Patinnen und Paten begleiten diese Arbeit seit Jahren. Ihre Beiträge ermöglichten Schulbesuche und schufen Verlässlichkeit für junge Menschen, deren Alltag oft von Unsicherheit geprägt war.
Mit dem Heranwachsen der Jugendlichen stellte sich jedoch eine neue Frage: Was kommt nach der Schule? Ein Abschluss allein bedeutete noch keinen Arbeitsplatz oder eine gesicherte Existenz. Die Unterstützung hatte Bildung ermöglicht. Nun ging es darum, wie daraus eine selbstbestimmte Zukunft werden konnte.
Aus dieser Frage entwickelte sich SINA, die Social Innovation Academy. 2014 begann in Mpigi der Aufbau der ersten SINA Community namens „Jangu International“. Junge Menschen sollten dort eigene Lösungen erproben und Unternehmen gründen können – und zugleich Verantwortung für den Ort übernehmen, an dem sie lebten und lernten.
Damit veränderte sich auch unser Verständnis von Unterstützung. Wer zuvor vor allem als Empfängerin oder Empfänger von Hilfe gesehen wurde, konnte nun selbst Entscheidungen treffen, ein Budget verwalten und für andere Verantwortung tragen. Das brachte Schwierigkeiten mit sich: Entscheidungen konnten falsch sein, Geschäftsideen scheitern und Konflikte mussten gemeinsam bearbeitet werden. Doch gerade darin lag ein wesentlicher Teil des Lernens.
Bei SINA nennen wir das „Freesponsibility“: Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Junge Menschen sollen ihr Leben gestalten können und lernen, für die Folgen ihrer Entscheidungen einzustehen.
Dieses Verständnis von Führung zeigt sich im Alltag: Wer die Finanzrolle übernimmt, entscheidet über Ausgaben und muss gegenüber der Gemeinschaft erklären können, wie das Geld verwendet wurde. Bei Konflikten können die Beteiligten die Lösung nicht einfach einer übergeordneten Person überlassen. Sie müssen einander zuhören und einen tragfähigen Weg finden. Führung bedeutet hier, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen und zugleich anderen Raum für eigene Entscheidungen zu geben. Dafür braucht es eine Gemeinschaft, in der Menschen dazugehören, auch wenn sie Fehler machen. So wachsen Vertrauen und die Fähigkeit, das eigene Leben und das Zusammenleben aktiv zu gestalten.
Heute umfasst SINA 24 Communities in zehn Ländern. Über 150 Sozialunternehmen sind entstanden und mehr als 2.000 Arbeitsplätze wurden geschaffen. Menschen, die selbst den SINA-Prozess durchlaufen haben, bauen inzwischen neue Communities auf und begleiten andere auf ihrem Weg. Jangu e.V. ist dieser Arbeit als Unterstützer eng verbunden geblieben.
Die Leaders50 werden alle zwei Jahre von Thinkers50 veröffentlicht. Das Besondere ist das Nominierungsverfahren: Vorschläge kommen ausschließlich von den in der Thinkers50-Rangliste vertretenen Managementdenkerinnen und -denkern sowie den bisherigen Empfängerinnen und Empfängern der Thinkers50 Distinguished Achievement Awards. Menschen also, die sich beruflich damit beschäftigen, wie Führung funktioniert und was sie bewirken kann.
Im Mittelpunkt stehen der Beitrag der Führungspersönlichkeiten, ihre Haltung und ihre langfristige Wirkung. Unternehmensgröße oder öffentliche Bekanntheit sind dabei nicht der Maßstab.
Auf der Liste für 2026 stehen unter anderem Satya Nadella, CEO von Microsoft, Jensen Huang, CEO von NVIDIA, und Jacqueline Novogratz, Gründerin und CEO von Acumen. Etienne gehört zu den 14 Personen, die sowohl 2024 als auch 2026 ausgewählt wurden.
Die Anerkennung gilt Etienne persönlich, sie macht zugleich eine Arbeit sichtbar, die über viele Jahre mit jungen Menschen in Uganda entstanden ist. Führung zeigt sich bei SINA gerade darin, dass Verantwortung nicht bei einer einzelnen Person bleibt. Sie wird von immer mehr Menschen übernommen, denen solche Möglichkeiten zuvor häufig verschlossen waren.
Ohne die Mitglieder, Patinnen und Paten sowie die vielen Spenderinnen und Spender von Jangu e.V. wäre dieser Weg so nicht möglich gewesen. Manche haben zunächst einem einzelnen Kind den Schulbesuch ermöglicht und unterstützen heute eine Arbeit, die weit über ihren Ausgangspunkt hinausgewachsen ist.
Wir freuen uns mit Etienne und allen, die SINA mit aufgebaut haben. Vor allem danken wir den Menschen, die über Jahre drangeblieben sind, auch dann, wenn Ergebnisse noch nicht sichtbar waren und der nächste Schritt erst gefunden werden musste.
Am 2. November 2026 werden die ausgewählten Führungspersönlichkeiten beim Thinkers50 London Summit und der Leaders50 Awards Gala geehrt.
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